Versteckte Broker-Kosten: 9 Gebühren, die oft übersehen werden
Die Ordergebühr ist nur der sichtbare Teil des Preises. Wo Broker außerdem verdienen, zeigen wir an konkreten, belegten Beispielen aus den Preisseiten der Anbieter.
Finanzworld-Redaktion · Zuletzt geprüft: 7. Oktober 2026
Kurz gefasst
- ✓Der Spread fällt bei jeder Order an – auch bei „0 € Ordergebühr“.
- ✓Kleine Orders kosten oft extra: Mindermengenzuschläge von rund 1 € sind verbreitet.
- ✓Der Handelsplatz bestimmt den Preis mit: Börsenentgelte kommen zur Ordergebühr hinzu.
- ✓Währungsumrechnung kostet je nach Anbieter 0,50 % und mehr.
- ✓Neukundenpreise und Aktionszinsen laufen aus – entscheidend ist, was danach gilt.
1. Der Spread
Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kurs, zu dem du kaufst, und dem Kurs, zu dem du im selben Moment verkaufen könntest. Er taucht auf keiner Abrechnung als eigener Posten auf – und ist trotzdem bei jeder Order Teil des Preises.
Ein Rechenbeispiel: Liegt der Kaufkurs bei 100,10 € und der Verkaufskurs bei 99,90 €, beträgt der Spread 0,20 €, also rund 0,2 %. Bei einer Order über 1.000 € sind das 2,00 € – mehr als die Ordergebühr vieler Neobroker.
Die Anbieter sagen das selbst. finanzen.net zero schreibt, dass die Ordergebühren von den Handelspartnern übernommen werden und „lediglich marktübliche Spreads“ anfallen. Trade Republic erklärt, wie viele andere Broker Rückvergütungen von Handelspartnern zu erhalten, und führt Orders gegen sich selbst aus. Bei Scalable Capital und Smartbroker+ steht der Hinweis „zzgl. Spreads und Zuwendungen“ neben fast jedem Preis.
Worauf achten: Der Spread ist zu den Haupthandelszeiten in der Regel am kleinsten. Wer abends oder am Wochenende handelt, zahlt oft mehr – ohne dass sich die Ordergebühr ändert.
2. Mindermengenzuschlag
Viele günstige Preise gelten erst ab einer Mindestgröße. Darunter wird ein Zuschlag fällig:
- finanzen.net zero: 1 € Mindermengenzuschlag bei Kleinstorders.
- Smartbroker+: über gettex 0 € ab 500 € Ordervolumen, darunter 1 €.
- Scalable Capital: 0,99 € pro Order; kostenlos erst ab 250 € (PRIME-ETFs im FREE Broker, alle Orders mit PRIME+).
Ein Euro klingt nach wenig. Bei einer Order über 50 € sind es aber 2 % – so viel wie der Ausgabeaufschlag mancher Fonds. Sparpläne sind von diesen Zuschlägen meist ausgenommen.
3. Börsenplatzabhängige Entgelte
Klassische Broker trennen zwei Posten: die eigene Ordergebühr und das Entgelt des Handelsplatzes. Auf der Produktseite steht oft nur der erste.
- ING: 4,90 € plus 0,25 % Ordergebühr – dazu je nach Handelsplatz 0 € (Direkthandel), 2,90 € (Xetra und weitere deutsche Börsen) oder 14,90 € (USA und Kanada).
- Smartbroker+: an Xetra 4 € plus 0,01 %, mindestens 1,50 €; an Auslandsbörsen zusätzlich ein Währungsaufschlag.
- comdirect: das Neukunden-Orderentgelt von 3,90 € gilt „zuzüglich börsenplatzabhängiger Entgelte und gegebenenfalls anfallender fremder Kosten“.
Der Unterschied ist spürbar: Eine Order über 1.000 € kostet bei der ING im Direkthandel 7,40 €, über Xetra 10,30 €.
4. Direktpreis und Handelsplatzwahl
Bei Neobrokern ist der günstige Preis häufig an einen bestimmten Ausführungsweg gebunden. Bei Trade Republic kostet die Standardausführung 1 €; wer den Handelsplatz selbst wählt, zahlt 2 €. Bei Scalable Capital kostet eine Order über Xetra oder gettex 1,99 € statt 0,99 € oder 0 € über die European Investor Exchange.
Das ist kein Nachteil an sich – du solltest nur wissen, dass der beworbene Preis für einen Weg gilt und Alternativen mehr kosten.
5. Währungsumrechnung
Sobald ein Wertpapier nicht in Euro notiert oder dein Konto in einer anderen Währung geführt wird, wird umgerechnet – gegen Gebühr.
- XTB: 0,50 % Umrechnungsgebühr, am Wochenende 0,80 %.
- eToro: Das Standardkonto wird in US-Dollar geführt; für Einzahlungen in Euro berechnet eToro 150 Pips.
- Smartbroker+: an internationalen Handelsplätzen kommt ein Währungsaufschlag hinzu.
Bei einem Kauf über 2.000 € sind 0,50 % schon 10,00 € – pro Richtung. Wer häufig US-Aktien handelt, sollte diesen Posten höher gewichten als die Ordergebühr.
6. Sparplankosten
„Sparpläne kostenlos“ gilt oft nur für ETFs. Bei Aktien-Sparplänen und bei klassischen Banken sieht es anders aus:
- ING: ETF-Sparplan 0 € beim Kauf, Aktien- und Zertifikate-Sparpläne 1,50 % vom Kurswert.
- comdirect Depot: 1,50 % des Ordervolumens für Aktien, ETFs und Zertifikate; im Pure Depot kein Orderentgelt.
- Trade Republic, Scalable Capital, Smartbroker+, finanzen.net zero: keine Ausführungsgebühr des Anbieters.
Bei 200 € Monatsrate summieren sich 1,50 % auf 36,00 € im Jahr. Unabhängig davon fallen bei ETFs die laufenden Kosten des Fonds an; sie werden dem Fondsvermögen entnommen und erscheinen auf keiner Abrechnung.
7. Unverzinstes Guthaben
Kein Posten auf der Rechnung, aber ein echter Kostenfaktor: Geld, das auf dem Verrechnungskonto liegt und keine Zinsen bringt.
- Scalable Capital: 2,60 % auf dem Tagesgeld, aber 0 % auf dem Verrechnungskonto des Brokers.
- Smartbroker+: 2,25 % nur auf dem separat zu eröffnenden Zinskonto.
- finanzen.net zero: kein Guthabenzins; beworben werden stattdessen Geldmarkt-ETFs.
- Trade Republic: 2,50 % direkt auf das Guthaben.
Wer 10.000 € ein Jahr lang unverzinst liegen lässt, verzichtet bei 2,60 % auf 260,00 €. Die aktuellen Konditionen stehen im Zinsvergleich.
8. Inaktivitäts- und Auszahlungsgebühren
Diese Gebühren betreffen vor allem internationale Trading-Plattformen.
- XTB: 10 € pro Monat, wenn 365 Tage keine Position eröffnet oder geschlossen und 90 Tage nichts eingezahlt wurde.
- eToro: keine Inaktivitätsgebühr, aber 5 USD pro Auszahlung vom USD-Konto; Mindestauszahlung 30 USD.
Bei deutschen Banken und Neobrokern sind Auszahlungen auf das Referenzkonto üblicherweise kostenlos – im Preisverzeichnis steht, ob das auch für deinen Anbieter gilt.
9. Befristete Neukundenpreise
Besonders leicht zu übersehen sind Konditionen mit Ablaufdatum:
- comdirect: 3,90 € Orderentgelt nur in den ersten 36 Monaten für Depotneukunden; der reguläre Preis steht im Preis- und Leistungsverzeichnis.
- XTB: 3,50 % Zinsen für Neukunden für 90 Tage, danach 1,00 %.
- ING: 3,20 % auf das erste Extra-Konto für 4 Monate, danach 0,75 %.
Rechne immer mit dem Preis, der nach der Aktion gilt – er bestimmt deine Kosten auf Dauer.
Sonderfall CFDs: Finanzierungskosten über Nacht
Wer nur Aktien und ETFs kauft, kann diesen Abschnitt überspringen. Bei CFDs kommt zum Spread eine tägliche Finanzierung hinzu, sobald eine Position über Nacht gehalten wird. IG berechnet bei Index-CFDs zum Beispiel den Benchmark-Zinssatz plus 3 % Aufschlag; Stichzeit ist 23:00 MEZ, am Freitag wird dreifach berechnet. Je länger die Position läuft, desto stärker fällt das ins Gewicht.
CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren: 51 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit eToro, 77 % bei XTB und 74 % bei IG. Details stehen im CFD-Broker-Vergleich.
Checkliste vor der Depoteröffnung
- Was kostet eine Order in der Größe, die ich typischerweise handle – inklusive Mindermengenzuschlag?
- Über welchen Handelsplatz wird ausgeführt, und was kostet ein anderer?
- Fallen Börsenentgelte zusätzlich zur Ordergebühr an?
- Was kostet die Währungsumrechnung?
- Was kostet die Sparplanausführung für genau mein Wertpapier?
- Wird nicht investiertes Guthaben verzinst – und auf welchem Konto?
- Gibt es Inaktivitäts- oder Auszahlungsgebühren?
- Welche Preise sind befristet, und was gilt danach?
- Wo steht das vollständige Preis- und Leistungsverzeichnis?
Die Antworten für die einzelnen Anbieter findest du in unseren Erfahrungsberichten; nebeneinander stehen sie im Broker-Vergleich.
Häufige Fragen
Ist „0 € Ordergebühr“ wirklich kostenlos?+
Nein. Auch ohne Ordergebühr zahlst du den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Dazu können Mindermengenzuschläge, Währungsumrechnung und Produktkosten kommen. finanzen.net zero schreibt zum Beispiel selbst, dass die Ordergebühren von den Handelspartnern übernommen werden und marktübliche Spreads anfallen.
Was ist ein Mindermengenzuschlag?+
Ein Aufschlag für kleine Orders. Bei finanzen.net zero beträgt er 1 € für Kleinstorders, bei Smartbroker+ kostet eine Order über gettex unter 500 € 1 € statt 0 €, und bei Scalable Capital kostet eine Order 0,99 €, solange die Freigrenze von 250 € nicht erreicht ist.
Was sind börsenplatzabhängige Entgelte?+
Gebühren des Handelsplatzes, die der Broker zusätzlich zur eigenen Ordergebühr weiterreicht. Bei der ING reichen sie von 0 € im Direkthandel bis 14,90 € an Handelsplätzen in den USA und Kanada; bei Smartbroker+ kommen an Xetra 0,01 %, mindestens 1,50 €, hinzu.
Welche Broker verlangen eine Inaktivitätsgebühr?+
Das ist je nach Anbieter verschieden. XTB berechnet 10 € pro Monat, wenn 365 Tage keine Position eröffnet oder geschlossen und 90 Tage nichts eingezahlt wurde. eToro nennt in seiner Gebührenübersicht keine Inaktivitätsgebühr. Prüfe den Punkt immer im Preisverzeichnis.
Kosten Sparpläne etwas, auch wenn der Broker günstig ist?+
Das kommt auf den Anbieter und das Wertpapier an. ETF-Sparpläne sind bei vielen Anbietern ohne Ausführungsgebühr. Für Aktien-Sparpläne berechnet die ING dagegen 1,50 % vom Kurswert, und im comdirect Depot kostet jede Sparplanausführung 1,50 % des Ordervolumens.
Wo finde ich alle Gebühren eines Brokers?+
Im Preis- und Leistungsverzeichnis. Es ist meist als PDF unter „Rechtliches“, „Dokumente“ oder „Konditionen“ verlinkt und enthält auch die Posten, die auf der Produktseite fehlen.
Quellen: Preis- und Produktseiten der genannten Anbieter (Trade Republic, Scalable Capital, Smartbroker+, ING, comdirect, finanzen.net zero, XTB, eToro, IG), Stand der einzelnen Angaben siehe jeweiliger Erfahrungsbericht. Finanzworld kann von einigen Anbietern eine Provision erhalten. Keine Anlageberatung.