IPO-Aktien kaufen: So funktioniert die Teilnahme an einem Börsengang
Ein Börsengang zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. Wie du als Privatanleger tatsächlich an Aktien kommst, was Zeichnung und Zuteilung bedeuten und wo die Risiken liegen, erklären wir Schritt für Schritt.
Finanzworld-Redaktion · Zuletzt geprüft: 7. Oktober 2026
Kurz gefasst
- ✓Ein IPO ist der erste öffentliche Verkauf von Aktien eines Unternehmens.
- ✓Zeichnen kannst du nur, wenn dein Broker das für den konkreten Börsengang anbietet – und eine Zuteilung ist nicht garantiert.
- ✓Ab dem ersten Handelstag lässt sich die Aktie wie jede andere über die Börse kaufen.
- ✓Der Kurs kann in den ersten Tagen stark schwanken; die wichtigste Quelle ist der Wertpapierprospekt.
- ✓CFDs und Pre-IPO-Angebote sind deutlich riskanter als der Kauf der Aktie.
Was ist ein IPO?
IPO steht für „Initial Public Offering“ – auf Deutsch Börsengang. Ein Unternehmen bietet seine Aktien zum ersten Mal öffentlich zum Kauf an und lässt sie zum Handel an einer Börse zu. Vorher gehörte das Unternehmen Gründern, Mitarbeitern und privaten Investoren; danach kann jeder Anleger Anteile kaufen und verkaufen.
Davon zu unterscheiden ist die Pre-IPO-Phase: Beteiligungen, bevor das Unternehmen an der Börse notiert ist. Sie ist für Privatanleger schwer zugänglich und mit höheren Risiken verbunden.
Wie läuft ein Börsengang ab?
Prospekt und Preisspanne
Vor dem Börsengang veröffentlicht das Unternehmen einen Wertpapierprospekt. Darin stehen Geschäftsmodell, Finanzzahlen, Risiken, die Zahl der angebotenen Aktien und die Bedingungen des Angebots. Meist wird eine Preisspanne festgelegt, innerhalb derer Anleger Kaufangebote abgeben können; seltener gibt es einen festen Ausgabepreis.
Zeichnungsfrist und Bookbuilding
Während der Zeichnungsfrist sammeln die begleitenden Banken Kaufangebote ein – das sogenannte Bookbuilding. Aus der Nachfrage ergibt sich der endgültige Ausgabepreis.
Zuteilung
Ist die Nachfrage höher als das Angebot, ist der Börsengang überzeichnet. Dann wird gekürzt oder gelost: Du bekommst möglicherweise nur einen Teil der gezeichneten Aktien oder gar keine. Wie zugeteilt wird, legen Unternehmen und Banken fest.
Erster Handelstag
Am ersten Handelstag wird die Aktie an der Börse notiert. Der erste Kurs kann deutlich über oder unter dem Ausgabepreis liegen, und die Schwankungen sind in den ersten Tagen oft hoch.
Lock-up-Frist
Altaktionäre verpflichten sich häufig, ihre Aktien für eine bestimmte Zeit nach dem Börsengang nicht zu verkaufen. Diese Haltefrist steht im Prospekt. Läuft sie aus, können viele Aktien gleichzeitig auf den Markt kommen – das ist ein Termin, den du kennen solltest.
Drei Wege, an IPO-Aktien zu kommen
Weg 1: Zeichnen über deinen Broker
Du gibst während der Zeichnungsfrist ein Kaufangebot ab. Das geht nur, wenn dein Broker oder deine Bank für genau diesen Börsengang eine Zeichnung anbietet – das entscheidet sich von Fall zu Fall und hängt davon ab, ob der Anbieter am Angebot beteiligt ist. Ein Depot bei einer Bank mit breitem Leistungsumfang erhöht die Chance: comdirect nennt Neuemissionen zum Beispiel ausdrücklich als Leistung des comdirect Depots, nicht aber des günstigeren Pure Depots.
Frage vor der Zeichnung nach den Kosten. Sie können von den normalen Orderkosten abweichen.
Weg 2: Nach dem Börsengang an der Börse kaufen
Ab dem ersten Handelstag kaufst du die Aktie wie jede andere. Du brauchst keine Zuteilung und kannst abwarten, wie sich der Kurs einpendelt. Dafür zahlst du den Marktpreis statt des Ausgabepreises – der kann höher oder niedriger sein.
Die Kosten entsprechen einer normalen Order: bei Trade Republic 1 €, bei der ING 4,90 € plus 0,25 % vom Kurswert zuzüglich Handelsplatzgebühr, im comdirect Depot 3,90 € für Neukunden in den ersten 36 Monaten. Notiert die Aktie nur an einer US-Börse, kommen bei manchen Anbietern höhere Handelsplatzgebühren hinzu – bei der ING 14,90 € – sowie die Währungsumrechnung.
Für die meisten Privatanleger ist das der einfachere Weg.
Weg 3: CFDs auf die Aktie
Manche Anbieter stellen kurz nach dem Börsengang CFDs auf die neue Aktie bereit. Mit einem CFD kaufst du keine Aktie, sondern schließt eine Wette auf die Kursentwicklung ab – meist mit Hebel. Gerade bei frisch notierten Aktien mit starken Schwankungen kann das sehr schnell zu Verlusten führen.
CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren: 51 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit eToro, 77 % bei XTB und 74 % bei IG. Mehr dazu im CFD-Broker-Vergleich.
Vorsicht bei Pre-IPO-Angeboten
Immer wieder werden Privatanlegern „vorbörsliche“ Aktien oder Beteiligungen angeboten – per Telefon, E-Mail oder über soziale Medien. Solche Anteile sind nicht börsengehandelt, der Preis lässt sich kaum überprüfen, und ein Verkauf ist oft erst nach einem Börsengang möglich, der vielleicht nie stattfindet.
Bevor du Geld überweist: Prüfe in der Unternehmensdatenbank der BaFin, ob der Anbieter eine Erlaubnis für das Geschäft hat, und lies die Warnmeldungen der Aufsicht. Zeitdruck und garantierte Gewinne sind Warnsignale.
Chancen und Risiken
- Chance – früher Einstieg: Wer zugeteilt wird, kauft zum Ausgabepreis und profitiert, wenn die Aktie darüber startet.
- Risiko – hohe Schwankungen: In den ersten Handelstagen fehlt eine Kurshistorie; Stimmung und Knappheit bestimmen den Preis.
- Risiko – wenig Vergleichsdaten: Für ein neu notiertes Unternehmen gibt es weniger Analysen und oft nur wenige Jahre an veröffentlichten Zahlen.
- Risiko – Bewertung: Der Ausgabepreis wird von den Verkäufern mitbestimmt. Ein Börsengang, über den viel berichtet wird, ist deshalb nicht automatisch günstig.
- Risiko – Ende der Haltefrist: Dürfen Altaktionäre verkaufen, kann der Kurs unter Druck geraten.
- Risiko – keine Zuteilung: Wer auf eine Zeichnung setzt, geht bei großer Nachfrage möglicherweise leer aus.
Ein einzelner Börsengang ist immer eine Einzelaktie – mit dem entsprechenden Klumpenrisiko. Wer breit streuen will, ist mit ETFs besser bedient; welche Anbieter sich dafür eignen, zeigt der ETF-Broker-Vergleich.
Schritt für Schritt
- Prospekt lesen. Mindestens die Zusammenfassung, die Risikofaktoren und die Angebotsbedingungen: Preisspanne, Zeichnungsfrist, Haltefristen.
- Zugang klären. Bietet dein Broker die Zeichnung an? Wenn nicht: Plane den Kauf nach dem Börsengang.
- Betrag festlegen. Nur Geld einsetzen, das du nicht kurzfristig brauchst, und nur einen kleinen Teil deines Depots.
- Zeichnen oder abwarten. Bei der Zeichnung ein Limit innerhalb der Preisspanne setzen; beim Börsenkauf immer mit Limit ordern, nie „billigst“.
- Termine notieren. Erster Handelstag, erste Quartalszahlen, Ende der Haltefrist.
Welcher Anbieter zu dir passt, zeigen der Broker-Vergleich und unsere Erfahrungsberichte; welche Nebenkosten beim Aktienkauf anfallen, steht im Ratgeber Versteckte Broker-Kosten.
Häufige Fragen
Kann ich als Privatanleger an einem IPO teilnehmen?+
Grundsätzlich ja – wenn dein Broker oder deine Bank für den jeweiligen Börsengang eine Zeichnung anbietet. Das ist von Börsengang zu Börsengang verschieden. Unabhängig davon kannst du die Aktie ab dem ersten Handelstag ganz normal über die Börse kaufen.
Was ist der Unterschied zwischen Zeichnung und Kauf an der Börse?+
Bei der Zeichnung gibst du vor dem Börsengang ein Kaufangebot zum Ausgabepreis oder innerhalb der Preisspanne ab; ob und wie viele Aktien du bekommst, entscheidet die Zuteilung. Beim Kauf an der Börse kaufst du nach dem Börsengang zum aktuellen Marktpreis – ohne Zuteilungsrisiko, aber auch ohne Ausgabepreis.
Bekomme ich bei einer Zeichnung sicher Aktien?+
Nein. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, wird gekürzt oder gelost. Du kannst weniger Aktien erhalten als gezeichnet oder gar keine.
Was ist eine Lock-up-Frist?+
Eine Haltefrist, in der Altaktionäre wie Gründer und frühe Investoren ihre Aktien nach dem Börsengang nicht verkaufen dürfen. Wie lange sie dauert, steht im Wertpapierprospekt. Läuft sie aus, können zusätzliche Aktien auf den Markt kommen.
Was ist ein Pre-IPO-Angebot?+
Ein Angebot, Anteile an einem Unternehmen zu kaufen, bevor es an die Börse geht. Solche Anteile sind nicht börsengehandelt und schwer wieder zu verkaufen. Prüfe vor jeder Zahlung in der Unternehmensdatenbank der BaFin, ob der Anbieter eine Erlaubnis hat.
Wo finde ich verlässliche Informationen zu einem Börsengang?+
Im Wertpapierprospekt. Er enthält Geschäftsmodell, Finanzzahlen, Risiken, Preisspanne, Zeichnungsfrist und Haltefristen und wird vom Unternehmen veröffentlicht; in Deutschland billigt ihn die BaFin.
Quellen: Kostenangaben aus den Preisseiten von Trade Republic, ING und comdirect (siehe jeweiliger Erfahrungsbericht); Risikoquoten laut Pflichtangaben der CFD-Anbieter. Dieser Ratgeber beschreibt den allgemeinen Ablauf und bewertet keinen einzelnen Börsengang. Finanzworld kann von einigen Anbietern eine Provision erhalten. Keine Anlageberatung.